Sie befinden sich hier -> Axel-online.org -> Drachen -> Leinen
Leinen
Allgemeines
Die Art und Weise, wie Pilot und Drachen miteinander
verbunden sind, beeinflußt Flugverhalten und Leistungsfähigkeit des Lenkdrachen ganz
enorm. Entscheidend für die Lenkarbeit bzw. für das direkte Ansprechen des Drachens auf
Lenkmanöver ist eine möglichst geringe Leinendehnung, andernfalls sich eine Art
Gummibandeffekt einstellt: Beim Drachen kommt nichts mehr vom Lenkmanöver an.
Die Geschwindigkeit des fliegenden Drachen hängt nicht nur von seiner Konstruktion,
sondern auch von der Beschaffenheit der Flugleine ab: Je glatter und dünner sie ist,
desto geringer ist der Windwiderstand, und desto schneller ist der Flug des Drachen. Nun
sollte man keinesfalls eine zu dünne Leine wählen, da dann je nach Leinenmaterial die
Bruchgefahr zu groß wäre. Ingenieure und Physiker kennzeichnen die Bruchlast von Leinen
mit Newton (N) oder dem zehnfachen Wert deka-Newton (DaN): 1 daN entspricht ziemlich genau
den landläufigeren (jedoch nicht korrekten) Begriffen 1 kg oder 1 kp.
Erinnern wir uns an unsere Schulzeit:
Kilogramm ist die Maßeinheit für Masse, Kilopond die für Kraft. Trotzdem wird die
Bruchlast von vielen Herstellern noch in kg angegeben, und jeder weiß, was gemeint ist.
Amerikanische Firmen verwenden gerne die US-Einheit pound (Abk. lb). 1 lb C,454 kp.
Nylonleinen sind aufgrund ihrer hohen Dehnbarkeit für
Lenkdrachen ungeeignet.
Polyesterleinen (Dacron) sind bedingt empfehlenswert, denn
Polyester hat eine gewisse Dehnung. Wegen des relativ niedrigen Preises sind
Polyesterleinen für kleinere Modelle durchaus zu erwägen.
Kevlar ist eine Aramidfaser von extrem hoher Festigkeit und
mit sehr geringer Dehnung. Die Bruchlast ist bei gleichem Durchmesser etwa siebenmal
höher als Stahl! Eigentlich also eine ideale Leine für den Lenkdrachensport. Jedoch hat
Kevlar eine andere, fatale Eigenschaft: Der Schmelzpunkt des Materials liegt sehr hoch.
Wenn Kevlar mit anderen Leinen in Berührung kommt, trennt es diese durch Reibungswärme
unerbittlich durch. Hinzu kommt, daß geknotete Kevlar - Leinen dazu neigen, sich selbst
durchzuschneiden. Darüber hinaus haben sie eine relativ rauhe Oberfläche, was sich nach
vielen Loopings oder auch beim Teamflug unangenehm bemerkbar macht.
Hinter beiden Begriffen verbirgt sich ein nahezu identisches Produkt. Spectra und Dyneema sind das »non plus ultra« für den Lenkdrachensport, verfügen doch Leinen aus diesem Material über eine extrem glatte, seifenartige Oberfläche. Zudem haben Spectra und Dyneema-Leinen eine noch höhere Bruchlast als Kevlar. Leider sind sie immer noch relativ teuer und erweisen sich aufgrund des niedrigen Schmelzpunktes als sehr empfindlich gegenüber Berührung mit anderen Leinen, ganz besonders mit Kevlar!
Stand : 26. Dezember 2001