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Wer sagt denn, daß ein Drachen nur ein Spielzeug ist ?

Er war dem Menschen seit der Steinzeit unentbehrlich: Mit dem Drachen wurden Götter beschwichtigt, Feinde besiegt, Brücken gebaut und

manchmal kostbare Schätze entführt. Jetzt erobert der Drachen sogar den Weltraum.

W
enn bei uns Drachen in den Himmel steigen, ist der Sommer vorbei. Leere Stoppelfelder werden zu idealen Startbahnen und kräftige Herbstwinde lassen die bunten Farbkleckse aus Holz, Plastik, Stoff oder Papier schnell emporschießen und über den Himmel tanzen.
Kinder und Väter freuen sich über diese Schauspiel, aber ihnen ist längst nicht mehr bewußt, was der Flug des Drachens in die rauhere, kältere Jahreszeit symbolisiert. Vor 4000 bis 5000 Jahren war dies noch anders. Damals, in der Frühzeit unserer Geschichte, wurde der Drachen nicht von Kinderhänden gehalten, sondern von Priestern, die den Gott des Ackers und des Windes beschwören wollten. Das zarte Gebilde aus Bambus und Seide, das vermutlich Chinesen als erste bauten, sollte ein Bindeglied sein zwischen Himmel und Erde. Es sollte die Götter den Menschen näherbringen und ihnen sagen ' Laßt uns den Winter gut überstehen und schickt auch im nächsten Jahr wieder genug Regen, damit der Acker fruchtbar wird'.
Noch deutlicher wurde diese uralte Sehnsucht des Menschen, auf den Olymp zu fliegen und den Göttern ihre Geheimnisse zu entreißen, einige Jahrtausende später: Kurz vor der Zeitwende versuchten chinesische Alchimisten, mit Hilfe von Drachen die 'verschiedenen Charaktere der Winde' zu ergründen. Mit diesem Wissen wollten sie dann einer Unsterblichkeitsdroge auf die Spur kommen.
Aber so dubios das klingt: Diese 'Hexenkunststücke' waren nichts anderes, als frühe Versuche, Naturgesetze zu erkennen und nutzbar zu machen. Deshalb ist der Sprung zu dem amerikanischen Physiker Benjamin Franklin auch nicht allzu weit. Der ließ nämlich 1752 während eines Gewittersturmes seinen Forschungsdrachen an einem Metallkabel aufsteigen und bewieß durch Messungen, daß die Energie des Blizes aus Elektrizität besteht. Was damals flog, war der Urahn unserer heutigen Blitzableiter.
      

Franklin bei seinem Experiment Benjamin Franklin bei seinem Experiment

Die Kulturgeschichte des Drachens, sowohl unseres Kinderspielzeugs als auch des faszinierenden und gefährlichen Luftfahrzeugs, mit dem sich moderne Ikarusse von hohen Berggipfeln hinabstürzen, ist also viele tausend Jahre alt. Deshalb wird man wohl die genauen Umstände, wie es zur Erfindung des Drachens kam, nie erfahren. Fest steht nur, daß er schon sehr früh in Süd- und Ostchina, Indochina, Melanesien und Polynesien, sowie in Tibet, Korea und Japan verbreitet war.
Vielleicht wehte einem Vorzeit- Erfinder einfach nur der Strohhut vom Kopf und er wußte das sofort umzusetzen. Denkbar ist auch, daß ein segel, daß sich im Sturm losgerissen hatte und davonwehte, einen erfinderischen Geist auf die Drachen-Idee brachte. So abwegig ist das nicht, denn es fällt auf, daß alle frühen Drachentypen in Asien viereckig sind, ähnlich einem Dschunkensegel.
Noch eine dritte Möglichkeit bietet sich an: vielleicht war der Drachen eine logische Weiterentwicklung von Bannern und Standarten, die von chinesischen Heeren schon sehr frühzeitig benutzt wurden. Auch sie hatten schon Querverstrebungen und blähten sich beim Reiten wie Windsäcke. Die nächsten Schritte waren dann klar: Je größer man den Windeingang  im verhältnis zum Ausgang macht, desdo strammer bläht sich das Banner. Übrig bleiben müßte am Ende ein Drachen mit einem Loch in der Mitte - und solch einen Drachentyp findet man heute noch in Korea. Das Loch ist dabei keineswegs ein archaisches Überbleibsel. Es wirkt stabilisiernd und erfüllt dadurch eine ganz praktische Funktion. Auch für die Windsackbanner gibt es Belege: Beim jährlichen Knabenfest in Japan werden sie heute noch in Karpfenform gehißt.
Historische Quellen in Europa beschreiben Windsackbanner auch bei den Mongolen, als sie im 13. Jahrhundert aus den Steppen Zentralasiens nach Europa einbrachen. Es müßte sehr verwundern, wenn diese kriegerischen Völker Asiens nicht eines Tages die Kraft entdeckt hätten, die im Banner - bzw. weiterentwickelt im Drachen - stecken kann. Heute könne wir das leicht nachvollziehen. Beim Segeln oder Windsurfen, schafft es ein einzelner Mensch schon bei leichter Briese kaum noch, ein paar Quadratmeter Stoff festzuhalten.
Tatsächlich gibt es schon aus dem Jahre 549 n. Chr. einen glaubwürdigen Bericht über Menschen, die sich mit einem Drachen in die Luft heben ließen: Als eine Wei-Armee die gut befestigte Stadt Thai belagerte, ließ der Feldherr Han Hsin kurzerhand einen Späher hochziehen. Mit dessen Angaben konnten dann die Mineure leicht alle wichtigen Wehranlagen untergraben und zum Einsturz bringen. Wenn es om militärische Vorteile ging, waren die Heerführer zu allen Zeiten erfinderisch. Belagerte Garnisonen nutzten den Drachen zum Biespiel so: Beim Kampf um Kaifeng im Jahre 1232 n. Chr. ließen die in der Stadt Eingeschloßenen den Drachen so aufsteigen, daß er über ihren gefangenen Landsleuten im feindlichen Lager der Mongolen schwebte. Dann wurde die Leine zerschnitten und der Drachen stürzte ab. Auf diese Weise wurde den Gefangenen die Botschaft übermittelt, sie sollten durch eine Revolte einen Ausfall unterstützen.
In einem anderen Fall wurde ein ganzer Barbarenstamm in die Flucht geschlagen: Man ließ nachts bei günstigem Wind Drachen aufsteigen, an denen Windharfen befestigt waren. Als das seltsamme Wimmern die Luft erfüllte, behaupteten eingeschleuste Agenten, das seien die Stimmen der Götter, die alle Invasoren zum Untergang verurteilten. Die Barbaren zogen am nächsten Morgen ab. Am Drachen ließen sich aber nicht nur Windharfen befestigen. Schon den Chronisten, die den Einfall der Mongolen erlebt hatten, war aufgefallen, daß im Maul der Drachenstandarten und -banner oft Feuertöpfe standen, die den Schlauch mit warmer Luft füllten und dadurch aufblähten. Das wären dann, rund 400 Jahre vor dem Gefährt der Gebrüder Mongolfier, Vorläufer des Heißluftballons gewesen. In Korea soll sich, rund 600 Jahre früher, noch eine andere Geschichte abgespielt haben:
Die Männer des Generals Kim Yu-Sin wurden bei einer fast schon erfolgreichen Belagerung mutlos, weil eines Nachts viele Sternschnuppen vom Himmel fielen. Sie deuteten das als böses Omen und befürchteten, durch ihre kriegerischen Taten die Harmonie zwischen Himmel und Erde gestört zu haben. Der kommandierende General gab deshalb heimlich den Befehl, Drachen zu bauen und Feuertöpfe an ihnen zu befestigen. Als die Drachen in der folgenden Nacht aufstiegen, glaubten die Soldaten, die Sterne kehrten an ihren Platz am Himmel zurück. Ihre Kampfmoral war wieder gefestigt und bald fiel die Festung.

Drachen im Mittelalter


Wenn ein Drachen Feuertöpfe tragen kann, dann kann er auch Bomben abwerfen! Damit sind wir bei der europäischen Geschichte des Drachens. Die beginnt nämlich erst richtig gegen ende des Mittelalters. Damals wurden gerade erst die ersten Pulvergeschütze eingesetzt, um die dicken Mauern der Ritterburgen zu knacken. Aber diese Feuerwaffen waren noch äußerst primitiv. Sie hatten nur eine geringe Reichweite und schossen manchmal noch mit Eisenpfeilen statt mit Kugeln. Da zogen Feldherren lieber ein paar Sprengladungen mit Drachen über die Burg und ließen sie dann fallen.
Vermutlich kannte man Drachen auch in Europa schon länger. Aber es gibt vor dem Mittelalter nur einen einzigen, sehr vagen Bericht über den griechischen Wissenschaftler Archytas, der angeblich um 400 v. Chr. einen Drachen steigen ließ. Da aber zur gleichen Zeit glaubwürdige Chroniken über zwei chinesische Drachenversuche berichten, wäre es denkbar, daß diese Nachrichten über die alte Seidenstraße nach Griechenland gelangt sind und dort die Erfinder der Fluggeschichten um Daedalus und Ikarus anregten.
Kurz: In der überlieferten, also nachweisbaren europäischen Geschichte führte sich der Drachen als Bomber ein. Und auch in den nächsten Jahrhunderten griffen die Millitärs immer wieder auf ihn zurück, vor allem, nachdem der Franzose Maillot im Jahre 1885 den ersten europäischen Drachen konstruiert hatte, der einen Menschen mühelos in die Luft heben konnte.
Mit dem 1893 konstruierten Kastendrachen des Australiers Lawrence Hargrave konnten dann französische und englische Spähtrupps in mehreren Kolonialkriegen einen Beobachter in 20 Minuten auf 500 Meter Höhe heben - ein unschätzbarer Vorteil, zu einer Zeit, in der es noch keine Flugzeuge gab. Der Höhenrekord wurde übrigens 1909 aufgestellt : Damals wurde ein Mann mit einem Gespann aus drei Kastendrachen eine Stund lang auf 800 Metern gehalten.
Noch im zweiten Weltkrieg spielte der Drachen eine wichtige Rolle: Bei der deutschen Kriegsmarine wurde eine Zeit lang mit dem 'Gyrocopter' experimentiert. Dabei handelte es sich um eine Kombination aus Hubschrauber und Drachen. U-Boote sollten ihn in voller Fahrt schleppen und dabei in die Luft ziehen. Der größere Überblick hätte den Kommandanten sicherlich sehr geholfen - aber wie sollten die Boote bei einem Luftangriff schnell wegtauchen ? Die Gyrocopter wurden nie eingesetzt.

Ein Gyrocopter Ein Gyrocopter im Test


Häufig verwendet und rund 350 000mal hergestellt wurden dagegen die von dem amerikanischen Commander P. Garber entwickelten 'Target-Kites'. Das waren durch Leinen steuerbare Drachen, die sich ständig bewegten und als Ziel bei der Schießausbildung dienten.
Viel originellere Verwendungsmöglichkeiten dachten sich zivile Geister aus. Der waghalsige japanische Dieb Kakikoki Kinsuke ließ sich mit einem Drachen auf das Dach der der Burg von Nagoya heben und stahl die Flossen der Delphine, die dort als Schmuck angebracht waren. Das Abenteuer lohnte sich : Die Beute bestand aus purem Gold.
Weniger anrüchiger war der Verwendungszweck, den der japanische Architekt Kawamuva Zuiken fand : Er benutzte einen Drachen als Baukran für Steine, Dachbalken und Ziegel. Dabei griff er nur eine Idee auf, die schon lange vor ihm die Chinesen gehabt hatten. Die setzten nämlich Drachen beim Bau von Hängebrücken ein und ließen die schweren Taue über Abgründe und Schluchten fliegen.
Welche Kräfte die so zerbrechlich wirkenden Gebilde entwickeln können, zeigte sich erst wieder, als ein Hochleistungsdrachen ohne Mühe einen Jeep anhob. Sogar als Transportmittel war der Drachen im Gespräch : 1820 baute der engländer Pocock einen besonders leichten Wagen, der von einem Drachen und nicht von Pferden gezogen werden sollte. Das System setzte sich allerdings nicht durch.
Trotz aller wissenschaftlichen und millitärischen Abstecher : Für die meisten Menschen ist der Drachen immer noch ein hübsches Spielzeug geblieben. In Japan allein fliegen alljährlich Hunderte von verschiedenen Typen durch die Luft. Drachen gelten als Symbole für ein langes Leben oder für Wohlstand. Bestimmte Drachenformen vertreiben böse Geister oder bringen Anglerglück beim Fischen. Von der ursrünglichen rechteckigen Form wurden unzählige Varianten abgeleitet : Menschen, Tiere, Insekten und alle möglichen Gegenstände.
Sogar Kampfdrachen gibt es, mit denen in Japan und vielen anderen Ländern regelmäßig Wettkämpfe ausgetragen werden. Dabei gilt es, die Schnur des Gegners mit Glas- oder Porzellansplittern, die am eigenen seil befestigt sind, zu durchtrennen. Diese Kampfdrachen sind stabile und trotzdem extrem leichte und sensible Geräte. Könner sollen mit ihnen gegnerische Leinen nicht einfach nur durchtrennen, sondern vorher so umschlingen, daß sich das Beutestück als Siegestrophäe sicher zur Erde holen laßt.
Dieser uns so fremde Sport kann in Asien solche Emotionen aoslösen, daß zum Beispiel in Malaysia Drachenwettkämpfe jahreland verboten waren. Es gab dabei einfach zuviel Streit, Mord und Totschlag.
In Japan veranstalten mehrere Orte sogennante 'Feste der Giganten'. In Hamamatsu setigen dabei Drachen mit rund 200 Quaratmetern Fläche und 120 Meter längen Schwänzen auf. Diese Riesen können nur noch von Mannschaften geflogen werden. Den Weltrekord halten wohl die Einwohner von Naruto : Sie lassen einmal im Jahr einen kreisrunden Drachen von 580 Quadratmetern steigen. Mehr als 60 Männer müssen ihn festhalten.
Dieses Brauchtum stammt noch aus dem Mittelalter. Wie die Chronik berichtet, lehrte ein buddhistischer Mönch im 16. Jahrhundert die Bewohner des Dorfes Kamamatsu das Drachensteigen. Damit sollte die Zucht der Seidenraupen günstig beeinflußt werden ...
Nützlich war er immer, der Drachen - und hochinteressant: In Neu-Irland, auf den Admiralitätsinseln, auf den Karolinen und den Salomonen wird er noch heute zum Fischen benutzt. Statt druch den Wurf mit einer Rute, läßt man Haken und Köder mit einem Drachen weit aufs Meer hinaus fliegen, fort vom Schatten des Bootes oder des Fischers. Auch die an den Netzen der Hochseefischer angebrachten Scherbretter, die das 'Maul' des Netzes weit aufreißen sollen, sind nichts anderes als Unterwasserdrachen.
In Polynesien, nach China wohl die Urheimat des Drachens, gibt es noch eine andere kuriose Verwendungsweise: Drachen ziehen große Transportflöße von Insel zu Insel. Wahrscheinlich laßen sich einige der seltsammen Segelformen der Südsee daraus erklären, daß man häufig einen Drachen nahm, sein Kopfende in eine Art Kugelgelenk steckte und die Leine durch eine Seil- oder Mastkonstruktion ersetzte.
Den größten technischen Einfluß hatte der Drachen allerdings auf die Entwicklung der Flugzeuge. Eigentlich ist das ganz logisch : Als es ende des 19 Jahrhunderts gelungen war, Menschen mit Drachen in die Luft fliegen zu lassen, wurde dieser Sport schnell populär. Um die Jahrhundertwende zoge jedenfalls schon Artistengruppen quer durch Amerika, die davon lebten, einen Mann bis zu 300 Meter hoch fliegen und dann auf einem Trapez herunterrutschen zu lassen. Der Artist vollbrachte bei dieser Talfahrt sogar noch Kunststücke.
Von solchen Sensationsdarstellungen bis zum richtigen Fliegen war es dann nur noch ein kleiner Schritt.
Erinnern wir uns : Am 17. Dezember 1903 begann offiziell das Luftfahrtzeitalter. Die amerikanischen Brüder Orville und Wilbur Wright absolvierten an diesem Tag den ersten Flug mit Motorkraft. Er dauerte nur 59 Sekunden und erstreckte sich über eine Meile. Das war im Grunde nur ein Hüpfer, und doch - welch ein riesen Schritt für die Menschheit!
Wenig bekannt ist allerdings, wie es zu dieser Leistung kam. Das war kein Geniestreich von ungefähr und schon lange kein Glücksfall. Jahre des Beobachtens von Vögeln und des Experimentierens stckten dahinter. Und den wohl wesentlichsten Schritt taten die Brüder Wright schon im Jahre 1899. Da packten sie ihre ganzen Erfahrungen in das Modell eines - Doppeldeckerdrachens! Als sie von seiner Flugtauglichkeit überzeugt waren, bauten sie ein Jahr später ein verbessertes Exemplar, das bis auf den Schwanz mit dem Ruder bereits die zukünftigen Wright-Maschinen erkennen ließ. Zwar ließen  sie auch dieses Modell noch in Drachen-Starttechnik steigen, aber es war bereits bemannt und der Pilot lag wie bei den späteren Flugzeugen mit dem Bauch in der Mitte der unteren Tragfläche.

Hargraves Kastendrachen Hargraves Kastendrachen von 1893. Das Original ist im Science Museum, London zu sehen.

Noch ein anderer Mann, kaum jemandem bekannt, beeinflußte die Entwicklung von Flugmaschinen sehr stark : Der Australier Lawrence Hargrave erfand, wie bereits erwähnt, 1893 den Kastendrachen und stellte ihn der europäischen Öffentlichkeit 1899 in London vor. Diese Flugmaschine machte vor allem wegen ihrer Achsenstabilität und großen Tragkraft Eindruck. Bis 1910, bei der rasanten Entwicklung der damaligen Flugzeugtechnik eine ungeheuer lange Zeitspanne, tauchten immer wieder Flugzeugtypen auf, die ihre Herkunft von Hargraves Kastendrachen nicht verleugnen können. Ein englisches Wort für Aeroplan, in jener Zeit geprägt, macht das ganz deutlich : 'Power-kite' bedeutet 'Motordrachen'.
Stimmt das denn wirklich? Ist ein Flugzeug nichts anderes als ein Drachen, den man von der Leine läßt? Tatsache ist: Beide benutzen das gleich Prinzip, ein Objekt, das schwerer ist als Luft, zum Fliegen zu bringen. Beide spalten einen Luftsrom mit Hilfe eines Flügels, wobei die Luft, die über den oberen Teil streicht, einen längeren Weg zurücklegen muß. Dadurch entsteht eine Sugwirkung nach oben. Der einzige Unterschied: der Drachen steigt gegen den Wind. Beim Flugzeug wird der (stärkere) Luftstrom durch einen Motor oder ein Düsentriebwerk erzeugt. Deshalb kann man mit Fug und Recht behaupten: Der Urgroßvater des Jumbo ist der Drachen.
Ende der Geschichte? Keineswegs! Denn auch im Zeitalter der Raumfahrt spielt der in der Steinzeit erfundene Drachen noch eine Rolle. Der Flugzeugtechniker Dr. F. Rogallo konstruierte den sogenannten 'Flexikite'.

Rogallos Flexikite

Rogallos 'schlaffe Tragfläche' oder Flexikite bei Tests - mit einer Raumkapsel als Last

Er ist eine Mischung aus Fallschirm und Drachen und dient der NASA zur Bergung von Raumkapseln. Der Flexikite sinkt langsammer als ein Fallschirm und kann besser gesteuerrt werden. Mit einem zusätzlichen Gestänge versehen wurde aus diesem Raumgleiter ein Deltadrachen, und damit entstand eine ganz neue Sportart, das Drachenfliegen, das den Menschen so vogelgleich wie nie zuvor machte. Eine Abart ist der Schlittendrachen, der nur zwei Längsverstrebungen hat. Zu guter Letzt griff nocheinmal die Wissenschaft auf den Drachen zurück: Der franzose Jalbert entwarf den 'Parafoil', einen echten, sehr flexiblen Drachen, den eine amerikanische Universität brauchte, um selbst bei Windgeschwindigkeiten von 180 km/h in 3000 Meter Höhe Messungen vornehmen zu können. Diese Aufgabe konnte kein anderes Erzeugnis unseres hochtechnisierten Zeitalters bewältigen - nur das 'Spielzeug' der Drachen.

 

Siehe auch:  Aerodynamik für Drachen   |  Aeorynamik für Flugzeuge

Stand : 26. Dezember 2001